… dass Andy Warhol über 100 Perücken in silberweiß besaß?

Ein Markenzeichen des exzentrischen aber geschäftstüchtigen Pop Art – Künstlers, von dem der Ausspruch mit den 15 Minuten Ruhm für jeden stammte, sind seine silbergrauen Haar, die immer ein bisschen widerspenstig aussahen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt handelte es sich dabei um Perücken. Sie waren für ihn nicht nur ein modisches Accessoire, sondern auch Schutz. Der Künstler konnte sich von keiner trennen. Bei einer Autogrammstunde geschah, wovor sich Warhol am meisten gefürchtete hatte: Eine Dame, die gerade noch harmlos um ein Autogramm gebeten hatte, schnappte sich seine Haarpracht und lief damit weg. Ironischerweise hatte Warhol vorher noch mit selbiger auf dem Balkon geplaudert. In seinem Tagebuch überlegte er, ob der Diebstahl  durch einen kräftigen Schubs seinerseits über die Balkonbalustrade verhindert hätte werden können.  Er mochte sie wohl von Anfang an nicht. Ob er die Perücke zurückbekam und ob er eine Ersatzhaartracht dabei hatte, ist leider nicht überliefert.

… dass der amerikanische Künstler John Chamberlain ursprünglich nicht Bildhauer werden wollte?

John Chamberlain ist für seinen Skulpturen aus Autoteilen bekannt. Dafür sammelte er in einer großen Halle in Florida die buntlackierten Spoiler alter Cadillacs und bog sie zu farbenfrohen Werken, die ein bisschen an zerknautschtes Papier erinnern – nur eben aus Metall. Dass er dafür große Maschinen brachte, ist selbstverständlich. Allerdings war er eher durch Zufall Bildhauer geworden. Stattdessen hatte er eine Friseurlehre absolviert. Insgesamt sei das keine vergeudete Zeit gewesen, sagte er später: der Umgang mit widerspenstigen Haaren hätten ihn auf die Arbeit mit Metallteilen vorbereitet. Und Autolack und Schminke seien nicht weit voneinander entfernt: beide zielte auf eine Fernwirkung.

… dass Pablo Picasso eine panische Angst vor Friseuren hatte?

Er befürchtete, mit einem Haarschnitt all seine männliche Kraft und Kreativität zu verlieren. Eine Ausnahme machte er für Eugenio Arias, den er fast dreißig Jahre einmal im Monat zu sich bestellte und dem er dafür sogar ein Auto gab. Aus dem Treffen wurde eine tiefe Freundschaft: gemeinsam besuchten sie Bars, spielten Karten, tranken und redeten die ganze Nacht. Picasso schenkte seinem Friseur immer wieder Bilder, sodass dieser schließlich das kleine Picasso Mauseum in seiner Heimatstadt Buitrago des Lozoya in Spanien gründen konnte.

 

… dass der Umgang mit Kunst krank machen kann?

In Italien des 19. Jahrhunderts waren die Krankenhäuser mit Reisenden voll. Sie klagten über Herzrasen bis hin zu Ohnmachtsanfällen. Teilweise waren sie auch so apatisch und erschöpft,  dass sie unfähig waren sich weiterzubewegen oder die simplsten Tätigen wie Schlafen, Essen oder Trinken zu verrichten. Mit dem Aufkommen des Italientourismus sahen sich die großen Kunststädte wie Florenz, Rom oder Venedig mit Kunstfreunden konfrontiert, die vor Kunstwerken in Trance oder Raserei verfielen. Und weil der französische Schriftsteller Stendhal der erste dokumentierte Fall war, dem durch kulturelle Reizüberflutung die Sinne schwanden, bezeichnet man diese Art Krankheit in der Psychologie als „Stendhal-Syndrom“.

 

… dass schöne Frauen in den 50iger Jahren „Atom“ genannt wurden?

Als der Franzose Ernst Réard in den 1950ern die zweiteilige Badebekleidung für die Dame erfand, suchte er nach einem passenden Namen. Frankreich hatte damals sehr erfolgreich verschiedene Atombomentests auf den Bikini-Atolls durchgeführt. Da seine Bekleidung ebenso sensationell war wie das Atoll, nannte Réard sie “Bikini”. Dank der neuen Erkenntnisse zu den Eigenschaften von Atomen war der Begriff Atom in aller Munde. In der jugendlichen Umgamgssprache bezeichnete man alles als atom, was man gerade gerade als toll und umwerfend empfand. Passenderweise sind es gerade die „Sexbomben“ wie Marilyn Monroe und Brigitte Bardot, die den Bikini-Trend lostraten.